RABE – bürgerlich Christian Eickelberg, im Netz Rabentinte – malt Bestiarien.
Wölfe mit zu vielen Köpfen, Panther voller Sterne, Drachen in Sträflingsstreifen, Skelette mit Hut, Sonnen mit Gesicht. Die Tiere tragen Schachbrettdecken und werden geritten: von Echsen, Katzen, sonnenköpfigen Gestalten, gern zu dritt, selten mit erkennbarem Ziel. Die Gründe sind flach und laut – Gelb, Pfirsich, Mint –, die Farbe sitzt pastos und rau, die Kontur ist hart wie auf einer Spielkarte.
Auf den ersten Blick ist das Folk Art: frontal, ornamental, ohne Perspektive, mit der Direktheit von Votivtafeln. Auf den zweiten beginnt man zu lesen. Zwischen den Figuren stehen Randnotizen: „format c:/“, „q.e.d.“, „LUCK:99″, „ordo / chao“, „divide et impera“, „no kings“, „disobey“. Eine Signatur lautet count(egodeath). Alchemistische Zeichen stehen neben Befehlszeilen, Parolen neben Spielständen, Godzilla neben Zerberus. Die Bilder sind gebaut wie ein Browser mit zu vielen offenen Tabs – und funktionieren trotzdem als Ikonen.
Die Biografie erklärt die Mischung. Aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen nahe der niederländischen Grenze, zwischen Ackerland und Ruhrgebiet, mit Tierbüchern und Bänden über untergegangene Kulturen. Schule mit 17 abgebrochen; statt Kunststudium Jahre schamanischer Praxis. Mit Mitte zwanzig, in der Schweiz, die Rückkehr zur Malerei – die Arbeiten dieser Zeit befinden sich geschlossen in einer Münchner Privatsammlung, alles andere hat er übermalt. Wenige Wochen später stand er ohne Wohnung da. Es folgten Brandenburg und Berlin. Malen und Programmieren hat er sich selbst beigebracht.
Dass dieselbe Hand Code schreibt und Dämonen malt, behandelt RABE nicht mehr als Widerspruch. Trance und Syntax sind für ihn zwei Arten, dieselbe Arbeit zu tun: Zeichen so anzuordnen, dass etwas in Gang kommt. Mit KunstDB betreibt er parallel eine Plattform, die er als digitale Skulptur versteht. Die Malerei bleibt das Zentrum – der Ort, an dem Mythos, Meme, Nachrichtenlage und Humor auf dieselbe Fläche müssen.
Gespeist wird das aus der Popkultur der Neunziger, aus Netzkultur, Tagespolitik, Esoterik, Wissenschaft, Musik – und aus stundenlangen Spaziergängen durch das nächtliche Berlin, wo RABE lebt und arbeitet.
Seit 2024 ist er regelmäßig auf dem Berlin Artists Art Market (BAAM) vertreten, einer Kunstmesse mit über 200 Künstlerinnen und Künstlern, die sich als Gegenentwurf zum traditionellen Kunstmarkt versteht, sowie auf deren Hamburger Pendant HAAM. 2024 war er in „Der Diffuse Raum“ bei DieLücke zu sehen.
2026 zeigte ihn Bohneville am Potsdamer Platz zunächst in einer Gruppenausstellung, im Oktober in der Einzelausstellung „Ctrl+Shift+R“ – dem Tastenbefehl, der eine Seite neu lädt und alles Zwischengespeicherte verwirft. Seine Arbeiten befinden sich in Privatsammlungen in Berlin, Hamburg und München. Gekauft werden sie auffallend oft von Menschen, die beruflich mit Zeichensystemen umgehen: Musikern, Informatikern, Historikern, Journalisten, Ärzten, Wissenschaftlern.
Vernissage; 02.10.2026 ab 18:00
BOHNEVILLE Berlin
Eichhornstr. 2, Potsdamer Platz
10785 Berlin
Web: Rabentinte.de
Instagram: @Rabentinte
